Flugzeuge

Wenn das Wetter passt, fliegt man in 25 Minuten von Lukla nach Kathmandu. Das ist der mit Abstand bequemste Weg. Man kann auch in vier Tagen nach Jiri laufen und von dort mit dem Bus 12 Stunden über eine katastrophale Asphaltpiste 200 Kilometer durchgeschüttelt werden. Das ist mit Abstand der unbequemste Weg. Wenn man es eilig hat, und keine Flugzeuge fliegen, muss man in zwei Tagen nach Salleri laufen – einmal gut 5 Stunden und einmal gut 7 Stunden stramm. Von dort nimmt man einen Jeep, der einen, wenn man den Fahrer davon überzeugt, dass man einen internationalen Flug erreichen muss, in 10 bis 12 Stunden zum Flughafen in Kathmandu bringt.

Es gilt also, am Sonntag Mittag zu entscheiden, nachdem man von sechs Uhr dreißig an vergeblich auf einen klaren Himmel und die heiß ersehnte Sirene, die den Start der ersten Propellermaschine in Kathmandu ankündigt, gewartet hat, ob man das Risiko eingeht, weiter auf dem eiskalten Flughafen zu hoffen, oder ob man lieber die Beine in die Hand und den Rucksack auf den Rücken nimmt und losmarschiert, um den Flug am Dienstag, 20 Uhr 15 zu erreichen.

Ich bin, nachdem die Wetterprognose nicht sonderlich berauschend war, zu dem Entschluss gelangt, die ultraleichten Marathonrennschuhe (die festen Bergstiefel habe ich Sitaram geschenkt) zu schnüren und den Rucksack von jedem unnötigen Ballast zu befreien. Man sagte mir, dass ich Kharikhola locker bis zum Abend erreiche und am nächsten Tag um 12 mittags in Salleri sein kann.

Zu Fuß braucht man als sportlicher Mensch die oben angegebene Zeit. Die Entscheidung musste ich also sofort treffen. Der zeitliche Spielraum ist begrenzt und abhängig von der Laune des Jeep-Fahrers. 5.30 Uhr sollte es losgehen. Nachdem viel herumpalawert wurde, starteten wir 6.30 Uhr. Zunächst. Nach einer Stunde steigt der Fahrer wortlos auf 2600 Metern aus dem eiskalten Tata Gold aus und verschwindet. Schwätzchen mit Kollegen an einer Station. Nach schon 25 Minuten geht es weiter. Mit offenen Fenstern bei minus 10 Grad, ohrenbetäubend lautem Nepal-Gedudel (Entschuldigung!) und zu elft in einem Jeep, der für acht gedacht ist. Bis zum nächsten Schwätzchen.

Ich habe es dem Fahrer nach dem ersten Schwatz gesagt, nach dem zweiten und nach dem dritten nochmals. „Ich muss zum Flughafen und nein, die warten nicht auf mich!“ Crescendo. Nach meiner dritten Ansprache im gesunden Forte änderte sich sein Fahrstil, Schwätzchen mit Bekannten fielen jetzt aus. Die Sonne kam raus, die Temperatur im Fahrzeuginneren näherte sich langsam dem Gefrierpunkt. Das Gedudel unterlag leider auch einem Crescendo. Eine Unterhaltung mit den interessanten Slowenen, Neuseeländern und Südafrikanerinnen war nicht mehr möglich.

Da zwängt man sich im Sauseschritt über 3600 Meter hohe Pässe, mit Wettkampf-Laufschuhen durch Schnee, Eis und ununterbrochenen Matsch und dann das. Bangen und Zittern, ob man den Fahrer vielleicht dazu bewegen kann, seine Bestimmung zu erfüllen und zu fahren. Letztendlich bewegte ich ihn dazu und war 4 Stunden vor Abflug am Flughafen.

Die Strecke war sehr schön, teilweise atemberaubend. Die Straße, von Japanern gebaut, einigermaßen glatt. Es gab aber auch Abschnitte, an denen man wusste, warum einem nur Jeeps und vierradgetriebene LKWs entgegenkamen. Das Erdbeben hat auch der Straße zugesetzt. Es müssen noch Brücken gebaut werden, solange fährt man halt durch den Fluss.

Auf dem beschwerlichen Weg nach Salleri überflogen mich am Montag zahlreiche Lukla-Anflieger. Das Wetter war sehr gut, ab Mittags lüftete sich sogar der Smog in Kathmandu, so dass die fröhlichen Flieger über meine falsche Entscheidung mit den Flügeln wackeln konnten.

Jetzt sitze ich in Abu Dhabi und bin überrascht, wie schnell man sich wieder in der Zivilisation zurecht findet. Freue ich mich auf eine warme Dusche. Die letzte ist dreieinhalb Wochen her.

image
Kein Flug

image
Weder am Gate 1, noch am Gate 2

image
Jemand könnte mich doch tragen

image
Ultraleicht und auch durch die Sohle kommt Wasser

image
Schönes Bild, das Wetter eher nicht so

image
Matsch ohne Ende, hier mit Eselsurin angereichert, auf Bilder mit Eis und Schnee habe ich aus Sicherheitsgründen verzichtet.

image
Holz hält, Steine nicht

image
Palmen unter Bergen

image
Brücken für Esel, Kühe, Yaks und Menschen

image
Tee beim Aufstieg auf den Pass

image
Hier wird tatsächlich eine Straße gebaut, sie soll nach Surke führen, 45 Minuten zu Fuß von Lukla erreichbar. Einerseits eine Erleichterung, denn die Flugsituation ist unzuverlässig, andererseits geht auch viel kaputt. In der Annapurna-Region hat die neu gebaute Straße sehr viel kaputt gemacht – für den Trekker. Die Bevölkerung findet es wahrscheinlich erleichternd.

image
Motorgetriebene Fahrzeuge in dieser Region sind schon ungewöhnlich

image
Salleri

image
Eine Bergziege?

image
Aus dem Jeep

image
Tata Gold für elf Personen

image
Teepäuschen

image
Durch den Fluss

image
Die Pfeiler stehen schon (lange)

image
So brausen wir dahin

image
Dahin! Das Tor in die Zivilisation.

2 Antworten : “Flugzeuge”

  1. Julia Teichert sagt:

    Hallo Heiko, voll super deine Aktion! Habe mit großem Interesse deinen Blog gelesen. Herzliche Grüße!Julia

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.