Wiederholungen

Ich würde mich wiederholen schreibt eine Freundin. Wie recht sie hat. Jeden Tag wiederhole ich mich. Ziemlich genau jeden Tag ziemlich genau gleich. Was soll ich sonst machen? Mal eben ins Theater geht nicht. Eine kleine Ausfahrt auf dem Rennrad gestaltet sich nicht nur wegen des fehlenden Rennrads schwer. Ein aufregendes Date mit einer schönen Nepalesin geht wegen der Sprachbarriere nicht und Touristinnen sind gerade keine da. Und auch der Besuch eines Museums oder eines Konzertes muss noch mindestens bis Mittwoch in einer Woche warten.

Ja, ich wiederhole mich. Es ist eine Monotonie, die ich hier lebe. Jeden Tag das gleiche. Mein Essen ist im Gegensatz zu den Arbeiten abwechslungsreicher, auch mein Arbeitsweg ist abwechslungsreicher, mein Leben insgesamt als reicher Westler ist abwechslungsreicher. Ich lebe einen winzigen Teil der Monotonie eines einfachen nepalesischen Arbeiters und lasse euch teilhaben. Ihr könnt Beiträge überspringen, ich kann keine Tage überspringen, so sehr ich mir das manchmal wünsche. Aber ich will nicht jammern. Es ist eine tolle Erfahrung, von der ich lange zehren werde. Ich bin dankbar dafür, dass ich diese machen kann und muss auch keine Tage mehr überspringen.

Und der Wiederholung zum Trotz, gab es heute wirklich einen ganz anderen Tag. Ganz anders als alle anderen Tage. Ang Kaila, der Bauherr kam heute endlich aus Kathmandu zurück. Ich habe ihn abgeholt. Das Flugzeug kam gegen elf statt gegen sieben an – wegen schlechter Sicht durch tief hängende Wolken zwischen Kathmandu und Lukla. Solange habe ich in der Lodge von Pembas Tochter direkt neben dem Flughafen gewartet und mich mit ihr unterhalten. Sie hat lange in einer Österreichischen Alpenhütte gearbeitet und kennt den Blick von außen auf Nepal. Trotz neuer Regierung und neuer Verfassung leidet das Volk unter ihren Staatsoberhäuptern, die korrupt sind und reden statt tun. Die hundertprozentige Abhängigkeit von Indien macht Nepal schwach. Wie gefährlich das ist, sieht man an der zum Glück inzwischen leicht gelockerten Grenzblockade. Wenn Indien wollte, könnte es Nepal einfach ausschalten. Die Transportwege von und nach China sind extrem schwierig und durch das Erdbeben zerstört.

Ich durfte einen durchaus gewichtigen Rucksack nach unten tragen. Trotz Verspätung bekam ich Mittagessen – Achtung Wiederholung – Dal Bhat. Danach durfte ich mich meiner eigentlichen Leidenschaft, ja Berufung widmen. Den Außenanlagen. Ein großer Vorplatz soll es sein. Gebaut aus – Achtung Wiederholung – Steinen. So leicht werde ich die nicht los. Die Steine nicht und die Wiederholungen auch nicht.

Beim Tee mit dem Hausherren und der Hausdame habe ich noch allerhand erfahren. So war ein Grund für den langen Aufenthalt von Ang Kaila in Kathmandu der leider vergebliche Versuch, einen Mikrokredit in Höhe von 4000 Dollar zu bekommen. Er konnte sich dann das Geld von einem Freund leihen, der auch nicht viel hat, ihm aber den Gefallen tun konnte. Die Bank wollte Geld haben, als Sicherheit für den Kredit. Ist das zu fassen? Manchmal kann man den Kapitalismus schon verfluchen. Außerdem bekommen die Arbeiter nicht 15 bis 20 Dollar am Tag, wie ich missverstanden hatte, sondern 13, bzw. 14. Sitaram, Mama und der Schreiner Ramchandra bekommen 14, die anderen 13.

Außerdem wiederholungsfrei:
Die Wasserversorgung in dem unteren Teil von Chaurikharka ist so katastrophal, dass Wasser meist von älteren Frauen und Kindern in 20 Liter Kanistern über viele Höhenmeter getragen werden muss. Das im Überfluss in guter Qualität vorhandene Wasser im Ortskern von Chaurikharka muss mit einer Wasserleitung in den unteren Teil gebracht werden, damit die 16 Familienhaushalte Zugang zu gutem Wasser haben. Diese Leitung kostet inklusive Transport von Kathmandu und benötigten Verbindungsstücken etwa 1400 Dollar. Das wäre doch eine schöne Verwendung für bis jetzt 20% der gesammelten Geschenke. Vielen Dank für eure Großzügigkeit und euer Mitgefühl!

Ich melde mich heute Abend (falls das Internet nicht kaputt ist) wieder und grüße herzlich –
das Murmeltier.

image
Lukla

image
Es gibt auch Beton, aber nur für Reiche, denn eingeflogener Zement ist teuer.

image
Wiederholt wunderschön, diese Berge

image
Flugbetrieb

image
Wiederholter Arbeitsbeginn

image
Es wird ein Haus mit Dach

image
Essen

image
HAUS

image
Landschaftsarchitektur

image
Feierabend, mal wieder

image
HAUS MIT DACH

image
Sauwetter

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.