Chyang

Chyang ist allerhand vergorenes Getreide, das mit heißem Wasser aufgegossen und hernach genossen wird. Der Alkoholgehalt ist unterschiedlich hoch. Manchmal nicht so hoch, meistens sehr hoch. Heute war meistens. Als deutscher Gewohnheitstrinker, auch Quartalssäufer genannt, hat der Ausnüchterungsweg von Chaurikharka nach Lukla im Schnee jedenfalls nicht den gewünschten Effekt gehabt. Jetzt sitze ich hier am Ofen und alles dreht sich. Da muss noch irgendwas anderes mit hervorgegoren sein außer C2H5OH. Oder liegt es daran, dass heute einer der härtesten Arbeitstage des gesamten Einsatzes war? Oder daran, dass ich seit drei Wochen außer Tee nix getrunken habe?

Ang Kaila zeigte mir heute eine erschütternde Lebenssituation. Sein 90-jähriger Onkel ohne Beine, dessen Bruder (70) ohne Arm, beide im Zelt des Deutschen Roten Kreuzes dahin vegetierend, ohne Geld, ohne Holz, ohne Haus. Ich habe versucht, es fotografisch festzuhalten.

Bei der Arbeit haben wir heute den Keller ausgeschachtet. Etwa einen Meter tief. Zum Lagern von Holz oder ähnlichem. Bhim und Sures hatten einen Träger-Bastkorb angeschnallt und wir schaufelten Ihnen Steine und Dreck auf den Rücken. Etwa 10 Tonnen haben wir schätzungsweise bewegt. Zum Abschluss nochmals richtig arbeiten. Dazu den ganzen Tag Schneefall. Laut wetter.com war heute den ganzen Tag strahlender Sonnenschein und die Niederschlagswahrscheinlichkeit bei null Prozent.

Ich sollte aufhören zu schreiben, sonst wiederhole ich mich.

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Arbeitsweg

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Arbeitsbeginn

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Bretter längs halbieren mit dem Fuchsschwanz

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Wetter

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HAUS

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Sherpa Stew

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Schaufeltechnik, nepalesisch

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Bagger und Kieslaster

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Dacharbeiten

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HAUS

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Sauwetter und Dachfolie

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Onkel ohne Beine

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Bruder ohne Arm

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Tante, ebenfalls ohne Haus

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Chyang

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Schyannggss

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Heimweg

6 Antworten : “Chyang”

  1. Heidrun sagt:

    Lieber Heiko, auch wenn die eine oder andere Wiederholung in deinen Berichten vorkommt – die übrigens fleißig gelesen werden – es ist enorm wichtig, was du uns erzählst. Fast hätten wir die Menschen in Nepal und ihre Tragödie vergessen, so grausam schnelllebig ist die Berichterstattung der Medien. Aber eben nur fast. Deine Berichte sind sehr anschaulich und öffnen Herzen und Geldbeutel für die Menschen in Nepal. Liebe Grüße!

  2. Sima sagt:

    Wer auch immer sich über eine Wiederholung beschwert hat – ich fand bis jetzt jeden Bericht spannend und neu. Schließlich schwingt für mich da immer mit… das ist deren ALLTAG. Auch wenn du längst weg bist, geht das dort immer so weiter.
    Die Bilder vom Onkel und dem Bruder sind erschütternd.
    Bei den betriebsamen Hausbau- und beeindruckenden Landschaftsbildern könnte man eigentlich vergessen, wie elend es hinter den Kulissen aussieht. Danke für deine Dokumentation.
    Liebe Grüße.

    • Heiko sagt:

      Das war natürlich keinesfalls böse gemeint von der Freundin. Sie meinte sogar, dass es gut sei, weil ich sowohl angekommen zu sein scheine und andererseits eben real beschreibe. Ich habe es dankbar als Aufhänger für meinen Beitrag „Wiederholungen“ genommen.
      Die Freiheit des gemeinen Schreiberlings.

  3. Stephan Schlick sagt:

    Unser Sohn ist heute acht Wochen alt. Er wächst, gedeiht, es ist warm in seinem Bettle. Er ist gesund. Wir haben ein Dach über unseren Köpfen. Wir haben einander. Wir waren heute mit dem Kleinen mal eben spatzieren. Einfach so.
    In anderen Gegenden der Welt scheint nichts mehr helig. Menschen zerstören einander. Beschämend. Menschengemacht. Einfach so.
    Natur kennt keine Kooperation. Menschen kamen unschuldig zu Schaden. Einfach so.
    Du packst an.
    Baust.
    Schenkst allen Hoffnung.
    Einfach so.
    Danke!

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