Das Ende der Steine

Mühsam nährt sich das Eichhörnchen, aber es nährt sich. Ein Ende der Steinarbeiten ist in Sicht. Heute wurde die letzte Schnur gespannt und die Lücken schließen sich. Der Dachstuhl ist jetzt dran. Endlich. Und immer wenn es fast rum ist, geht es nochmal richtig gut. „You are very perfect today.“ Ich liebe diesen Honig an meinem Bart. Eigentlich könnte es jetzt an das nächste Haus gehen, aber lieber setze ich mich bald ins Flugzeug und kehre in die Komfortzone zurück. Ich habe tatsächlich ein leicht schlechtes Gewissen deswegen.

Auf dem Heimweg habe ich noch eine Runde durch Chaurikharka gedreht und einige weitere Notunterkünfte erspäht. Und viele Baustellen. Die Stupas und Gebetsmühlenanlagen sind teilweise noch ziemlich lädiert, das zeigt, dass es noch andere essenzielle Aufgaben gibt. Vor allem, wenn man weiß, wie wichtig den Sherpa diese Glaubensorte sind.

Es ist jetzt täglich nachmittags stark bewölkt, meist mit leichtem Niederschlag in Form von Graupel oder Regen, windig und eiskalt. Das ist ein bisschen ärgerlich, denn so wird alles anstrengender. Aber in der Mittagspause zwischen 10 und 11 Uhr sitzen wir immer in der sehr stark wärmenden Sonne, unterhalten uns mehr schlecht als recht und stärken unsere Bindung. Sie sind sehr interessiert an mir, was mir gefällt, so kann ich sie auch viel fragen. Gestern habe ich mir endlich mal die Namen aller aufgeschrieben:

Sitaram, Chef, ein Sohn, 5 Geschwister, 2 Jahre Schulbildung, 24 Jahre alt

Bhim, mein direkter Kollege, kann recht gut Englisch, feiner, ruhiger Typ, 25 Jahre alt

Ramchandra, sehr aufgeschlossen, freundliches, offenes, intetessiertes Gesicht, toller Schreiner, 22 Jahre alt, 5 Jahre Schulbildung

Bude, Koch so lala, schielt extrem, in Deutschland hätte man das vielleicht in frühen Jahren korrigiert, 20 Jahre alt, keine Schulbildung, große Frohnatur

Arjun, ich nenne ihn den Indianer, sehr guter Maurer, 19 Jahre alt, hört auf seinem Tastentelefon immer sehr laut nepalesische Musik, die meinem Geschmack sehr selten entspricht

Mama, bester Steinmetz, ältester von 12 Geschwistern, Bruder von Ramchandra, 41 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder, keine Schulbildung, telefoniert immer die ganze Mittagspause mit seiner Familie, laut lachend und alle unterhaltend

Sures, 17 Jahre alt, toller Maurer, nimmt mir ab und zu einen Stein aus der Mauer und ersetzt ihn wort- und blicklos

Sie seien wie eine Familie, erzählt mir Sitaram. Streit gebe es eigentlich nicht, manchmal würden sie sich halt etwas lauter unterhalten. Schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sie wochenlang auf engstem Raum im wahrsten Sinne eingepfercht leben. Bescheidenheit und Genügsamkeit in Reinform.

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Überlebt minus 20 Grad unbeschadet

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Kaiserwetter, wie jeden Vormittag

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Die letzte Schnur

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Mittagspause

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Die Bauaufsicht

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Feierabend für mich

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Gebetsmühlen immer im Uhrzeigersinn drehen

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Eingestürzter Glaubensort

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Eingestürzter Wohnort

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Nicht eingestürzte Notunterkunft, Spüle vor der Tür

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Holz hält, Steine nicht

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Noch eine Notunterkunft

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Fahrrad in Lukla, es gibt immerhin 500 Meter fahrbare Wege

6 Antworten : “Das Ende der Steine”

  1. Johannes sagt:

    Lieber Heiko, ich wünsche Dir viel Glück. Wohnen dort Bergziegen? Hast Du schon eine Bergziege gesehen? Viele Grüße, Johannes

    • Heiko sagt:

      Lieber Johannes, Ziegen auf jeden Fall und da es hier bergig ist, sehr bergig, sind es vielleicht auch Bergziegen. Sie schmecken jedenfalls gut.

  2. Sima sagt:

    Es ist erstaunlich, wie die Menschen dort all diese Unwegsamkeiten meistern. Woraus ergeben sich denn eigentlich die jeweiligen „Bautrupps“? Ist das immer Familie oder setzen die sich anders zusammen?
    Du musst auf jeden Fall noch ein Bild mit der ganzen Gruppe und MIT dir machen.
    Liebe Grüße aus Berlin

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