Der dritte Tag

Einen Tag habe ich ja krank gefeiert, also war heute der dritte Arbeitstag. Und der war es wirklich. Nix läuft. Angefangen hat es mit einer schlaflosen Nacht, dann erfrischenden minus 17 Grad am Morgen, sowohl draußen als auch drinnen. Ein schöner, aber kalter Spaziergang zur Arbeit lässt mich der Frage nachgehen, warum ich nicht lieber weiterspaziere, statt mir an messerscharfen Steinabbrüchen die Finger aufzureißen, mir an eilig selbst gebastelten Gerüsten Spreißel (das sind Splitter auf norddeutsch) unter die Haut zu stechen oder kiloweise Staub- und Rauchpartikel einzuatmen.

Als pflichtbewusster Mensch stelle ich mir die Frage natürlich höchstens heimlich. Aber mal ganz ehrlich. An Tagen wie heute, kann man sich wirklich auch was Schöneres vorstellen. Durch Zufall habe ich beim Abflug in Tegel eine Freundin getroffen, die drei Wochen ayurvedische Wellness auf Sri Lanka vor sich hatte. Kann man auch machen.

Obwohl ich heute müde und schlapp war, mit blutigen Fingern, Rückenschmerzen, Sodbrennen, Kopfweh, verkrampftem Hals, schmerzenden Armen, Sonnenbrand und grummelndem Bauch nach Hause gelaufen bin, mich erinnernd, dass kein Stein so richtig auf den anderen gepasst hat und ich deswegen dezent an nicht so sichtbare Bereiche verwiesen wurde, habe ich ein gutes Gefühl. Nicht, weil ich hier so unsagbar Großes verrichte. Dem ist nämlich überhaupt nicht so. Ich bin einfach ein Lehrling eines Handwerks in einem anderen Land. Nein, ich fühle mich gut, weil ich etwas mache, vielleicht etwas nicht ganz Gewöhnliches. Mein Ziel ist, die Menschen, die ich mit eurer Hilfe finanziell unterstützen möchte, kennenzulernen. Und das geht auf einer gewöhnlichen Baustelle einfach besser, als als Trekking-Tourist.

image
Bei Arbeitsbeginn

image
Mittagspause mit Bauherrin

image
Dal Bhat wie jeden Tag, nur heute mit Ziegenfleisch.

image
Des Maurers Werkzeug

image
Teepause

image
Die Ecken sind nur was für Spezialisten

image
Fast Feierabend

2 Antworten : “Der dritte Tag”

  1. Jessica sagt:

    Ich glaube, dass Deine Baustellen-Erfahrung sich tiefer ins Gedächtnis eingräbt als jede noch so entspannende Massage. Ich finde es nach wie vor großartig!
    Lieben Gruß aus Berlin – vielleicht könntest Du ja auch mal am BER Hand anlegen 😉
    Jessica

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.