Ausländer

Ja, der bin ich. Für alle, die an der Baustelle vorbeigehen, seien es Träger, Bauern, Viehhirten oder einfach Neugierige bin ich so eine Art bunter Hund. Völlig ungehemmt schauen sie mich lachend an. Und nicht etwa nur kurz. Nein. Vor allem Kinder halten das auch schon mal eine halbe Stunde durch.

Ich frage Ang Kaila, den Bauherren, warum die mich denn alle auslachen. Er übersetzt für mich, dass alle voll der Freude seien darüber, was für ein Glück er habe. Das Haus entstehe unter einem guten Stern, weil ein Ausländer mitarbeitet. Voller Mitfreude, ohne Neid und mich als eine Art Heiligen sehend. Bei dieser milden, aufgeschlossenen und freudvollen Art erträgt man auch den Bluterguss unter dem Fingernagel mit Leichtigkeit. Die Maurer und Steinmetze stellen sich leider so unglaublich viel geschickter an als ich, dass ich den Fingernagel lieber verheimliche.

Dass man einfach ein Haus aus den Steinen der Umgebung, dem Holz aus dem benachbarten Wald und Lehm aus einer Grube im Garten bauen kann, fasziniert mich. Natürlich kommen hier keine Paletten Ziegel oder Kalksandsteine mit dem Tieflader vom Baustoffhandel, aber dass jeder einzelne Stein erst behauen wird, bevor er gesetzt wird, ist schon bemerkenswert. Da darf auch mal ein Fingernagel blau werden.

Ich fühle mich hier als Ausländer herzlichst willkommen. Irgendwie klar, wenn man zum Helfen da ist. Aber ich glaube, auch als Bedürftiger wäre man hier willkommen. Vielleicht zeigt das Annehmenkönnen von Hilfe, dass man sie auch geben kann?

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Arbeitsbeginn

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Arbeit (noch mit weißem Fingernagel)

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Aussicht mal anders

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Feierabend

4 Antworten : “Ausländer”

  1. antje sagt:

    Schön, dass es voran geht! Wie alt sind die Kinder der Familie, die das Haus beziehen wird?

    Gute Besserung an den Fingernagel!

  2. Jessica sagt:

    Deine Berichte zu lesen macht große Freude. Und stimmt mich auch nachdenklich. Wir haben so viel und sind nicht so offen … irgendwas machen die richtig. Und gute Besserung auch für den Fingernagel! Magen wieder gut?

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