Ich baue ein Haus

Heute habe ich angefangen, beim Wiederaufbau des Hauses zu helfen. Gebaut wird mit den eingestürzten Steinen und Lehm aus dem Boden als Mörtel. Der Stein, der nicht passt, wird passend geklopft. Hammer, Meißel, Schnur, fertig ist der Maurer. Wir sind zu elft mit den Besitzern Ang Kaila und Yangjee. Die acht „Mitarbeiter“ schlafen nebenan im notdürftig wieder aufgebauten Stall. Eine Kochstelle ist auch eingebaut, dort wird für uns alle gekocht. Also für uns, die Arbeiter. Von dem Koch der Arbeitertruppe. Die Besitzer essen in ihrem Zelt vom Deutschen Roten Kreuz.

Es gab heute um 10 Uhr Mittagessen. Dal Bhat. Köstlich. Nur sollte ich das Mittagessen eher als Frühstück verstehen.

Heute wich auch deutlich die mich umgebende Traurigkeit. Die Menschen hier schockt nichts wirklich, habe ich das Gefühl. Haus kaputt? Wird’s halt wieder aufgebaut. Kein Geld? Warten wir halt im Zelt des Deutschen Roten Kreuzes bis Buddha uns welches schickt. Die Laune lassen wir uns nicht verderben.

Ich will nicht in den allgemeinen Nepal-Hype verfallen, aber eine Willkommenskultur und eine optimistische Lebenseinstellung sind hier absoluter Standard. Dafür ist die Qualität der deutschen Zelte ausgezeichnet.

40 Minuten gehe ich hinab zur Baustelle in Chaurikharka und 50 Minuten gemächlich wieder 200 Höhenmeter in mein Basislager nach Lukla zurück. Das ist mein Leben für die nächsten drei Wochen. Am Ende steht das Haus – hoffentlich.

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Morgens

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Das Team

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Maurermeister

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Mittagspause

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Schreinerei

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Das Nachbarhaus hat es auch erwischt

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Aber die Aussicht ist gut

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Kurz vor Feierabend

6 Antworten : “Ich baue ein Haus”

  1. Katja sagt:

    Ein Garten wird ja wohl erstmal nicht gebraucht, du alter Landschaftsarchitekt 🙂

    Viel Erfolg also beim Häuslebau!

  2. Jessica sagt:

    So unglaublich zu lesen, dass die Menschen angesichts ihrers Leids noch gute Laune haben. Wie machen die das? Das ist so eine großartige Lebenseinstellung, davon könnten wir hier, ganz sicher ich, eine risige Portion gebrauchen. Nicht klaglos alles hinnehmen, das meine ich nicht. Auch Traurigkeit und sogar das Gejammer hat seinen Platz – nur dieses die Augen wieder aufmachen, das Schöne im Schlechten sehen, das Leben an sich – einfach so – als lebenswert betrachten, das ist eine echte Kunst.
    Ich hoffe sehr, es geht Dir weiterhin gut. Und schreib schön immer. Wird aufmerksam gelesen!

  3. Giuseppe Maio sagt:

    Lieber Holger,

    wer es mit dem Fahrrad von Banzendorf nach Berlin schafft, der wird auch beim Steineschleppen nicht gleich schlapp machen… Sag ich jetzt einfach mals ganz faul aus meinem Sessel. Nein, im Ernst, ich hab großen Respekt vor deiner Entscheidung, beim Wiederaufbau zu helfen, nicht nur Touri zu sein, der Sherpa-Dienste in Anspruch nimmt, sondern auch als helfender Mensch da zu sein. Das unterstütze ich und ich hoffe, dass meine kleine Spende etwas Gutes bewirken kann.

    Übersteh deine kleine Bauch-malaise und frohen Mut für die Arbeit !
    Schöner Blog ! Wer genau auf den Fotos ist Pemba ?

    Auf dass der Winter vorübergeht, beste Wünsche und Grüße,

    Giuseppe Maio

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